[gurkenwasser]

Opel

Posted in Freiraum, Kognition by gurkenwasser on 11. August 2009

da dachte man mit Magna sei ein fähiger Käufer der deutschen Autoschmiede gefunden. Nix da! Seitdem das österreichisch-kanadische Unternehmen im Gespräch ist, wurde zuerst Fiat und dann die US-Investmentbank Ripplewood und der chinesische Automobilhersteller BAIC als Wettbewerber um die Übernahme Opels auf den Plan gerufen. Aber wer hat das langfristig erfolgsversprechendere Konzept vorzulegen? Fiat und BIAC, beides Automobilhersteller, scheiden aus. Mit Opel würde Fiat einen direkten Konkurrenten einkaufen und sich somit das Problem der Überkapazität am KfZ-Markt nicht beheben. BAIC, z.Zt. auch nicht mehr in der Diskussion, ist ein kleines Unternehmen das sich bisher zum größten Teil mit der Produktion von Militär- und Geländefahrzeugen über Wasser gehalten hat. Mit Opel würden sie in die Produktion und den Vertrieb von Opel auch in China (und somit als Wettbewerber von GM) einsteigen. Also nicht weiter verwunderlich, dass der Deal abgesagt wurde, da GM noch Anteilseigner von Opel ist.

Aktuell werden also die zwei Bieter Magna und Ripplewood als mögliche Mutterkonzerne Opels gehandelt. Über die Absichten der Investmentbank darf gestritten werden. In einem Interview in der ZEIT behauptet Ripplewood-Chef Fischer es sei ein langfristiger und nachhaltiger Plan für die Übernahme und zukünftige Geschäftsstrategie Opels entwickelt worden, gar mit dem Mutterkonzern GM ein Vertrag ausgearbeitet worden. Die ersten Gewinne sollen nach zwei bis drei Jahren erwirtschaftet werden und im Gegensatz zu Magna werde auch weniger Staatshilfe beansprucht.

Magna, der bis vor der Übernahmediskussion den meisten unbekannte Automobilzulieferer, wird aus Sicht der deutschen Regierung und den Landesregierungen der Opelstandorte als zukünftige Mutter präferiert. Erfahrung im Geschäftsfeld, gute Verzweigung und sogar in der Produktion von kompletten Automobilen geübt. Da Magna jedoch nur zu einem geringen Teil Anteile übernehmen will, der russische Staat in Form der Sberbank und GAZ ebenfalls an den Gesprächen beteiligt ist, liegt die Vermutung nahe, dass das Interesse an Opel darauf ausgerichtet ist, in Zukunft den rasant steigenden russischen Automarkt zu erobern.

Fragt sich nur weshalb all diese Strategien überhaupt zur Diskussion stehen. Man sollte sich hierzu vergegenwärtigen, dass all diese Pläne mit Staatshilfen ausgearbeitet wurden. Staatshilfen, die aus Steuereinnahmen finanziert werden, bzw. zu Lasten der nächsten Generation als Schulden aufgeladen werden. Das sind die gleichen Menschen, die sich aus vielen verschiedenen Gründen in der sozialen Marktwirtschaft schon gegen Opel entschieden haben, indem sie den Gang zum Opelhändler ihres Vertrauens gemieden haben und die wahrscheinlich eher auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Fahrzeuge der Konkurrenz gekauft haben. Leicht verständlich. Während Toyota & Co. sich an der Entwicklung von zukunftsträchtigen Antriebstechniken versuchen (und Erfolg haben), bringt Opel den neuen Insignia OPC mit sagenhaften 325 PS (und garantierten 11 Liter Super beim Umdrehen des Zündschlüssels) auf den Markt. Manta 2.0 quasi. Erhältlich ab 44.900 EUR.

Selbst die Popularitätswerte der Politiker schnellen in die Höhe, wenn sie Volkes Meinung aussprechen. Guttenberg suhlt sich in besten Umfrageergebnissen, während Steinmeier noch immer die Ärmel am hochkrempeln ist und denkt die Rettung von Opel würde sich gut auf der Wahlkampfflagge machen. Mit einer Insolvenz wäre Opel gerettet, mit Staatshilfen wird’s teuer.

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