[gurkenwasser]

Bildung! -Gesundheit.

Posted in Kognition, Politik by gurkenwasser on 15. August 2009

In so ziemlich jedem Wahlprogramm der volkstümlichen Parteien findet der Punkt Bildung eine gewisse Aufmerksamkeit. Da ist die Rede von der Zukunft, der Nachhaltigkeit und so weiter. Die einzige Lösung so scheint es, ist es mehr Geld ins Bildungssystem zu pumpen und schon spuckt es die kreativsten Denker, die versiertesten Ingenieure und die wissenschaftlichsten Forscher aus. Doch wer sich mal die rosa Brille abzieht und sich die Realität betrachtet, der wird feststellen, dass Geld nur ein Mittel ist, das das Erreichen eines Zwecks zwar leichter machen kann, ihn aber auch ebenso schnell verschleiern kann.

In Wirklichkeit bildet sich doch verstärkt eine Ellbogengesellschaft, in der jeder am eignen Weiterkommen und am Durchbringen der eignen Interessen orientiert. Zwar wird von den Institutionen immer mehr auf Teamwork gesetzt und Projektarbeit finden auch verstärkt statt, doch wird in der Zusammenarbeit unter Zwang nicht die Kreativität gefördert, sondern das Gefühl hervorgerufen, dass da die eigene Leistung unter der Beschränktheit des Umfeldes leidet. Es geht schlicht nicht um das Ergebnis, sondern um die Bewertung des Ergebnisses. Das Einstellen des persönlichen Bedürfnisses, im Idealfall würde es so aussehen, dass das eigene Wirken als Teil eines Konstruktes angesehen wird und das Bedürfnis dann befriedigt ist, wenn die eigenen Ansprüche erreicht worden sind. Vielmehr geht es allerdings um das Befriedigen der Bedürfnisse der bewertenden Personen, die Bewertung ist wichtig, nicht das Ergebnis soll also heißen, dass nicht zählt ob man selbst mit der Leistung zufrieden ist, sondern ob der Bewertende die Bestnote verteilt hat. Ist die Bestnote erreicht, ist das Bedürfnis gestillt. Anhand dieser Mentalität leidet die kreative und inspirierende Denkweise enorm, denn es geht nicht mehr um das Verstehen von Themenkomplexen, die notwendige Orientierung um die Funktionsweise, die Einordnung oder die Verwendung von Konstrukten zu realisieren, das für die Entwicklung meines Erachtens allerdings sehr wichtig ist. Die Arbeitsweise erfährt in dieser Phase eine komplette Umstrukturierung. Durch die Zielsetzung das beste Ergebnis zu erreichen, rücken themenbezogene Sachverhalte in den Hintergrund, denn um das beste Ergebnis zu erreichen genügt in den meisten Fällen Auswendiglernen. So lässt also nicht nur die Qualität der Bildung nach, sondern auch das Wissen über die Arbeitsweise, mit relevanten Informationen umzugehen, wissenschaftlich zu arbeiten, kreativ zu forschen und entwickeln.

Erfahrungsgemäß fliest das zusätzliche Geld in die Ausgestaltung von Computerpools, die im Informationszeitalter besondere Bedeutung erfahren, da schätzungsweise ohnehin 9 von 10 Schülern und Studenten eine solche Maschine besitzen. Oder aber das Geld wird in die Renovierung von Gebäuden gesteckt. Man kann hier mit Sicherheit etwas positives vernehmen, allerdings wäre an anderer Stelle eine Umstrukturierung wesentlich sinnvoller. Durch die Umstellung der Studiengänge auf ein Bachlor-/Mastersystem erfährt die Studiendauer eine radikale Kürzung. Zeit, die von den Studenten bisher genutzt worden ist um sich einen Überblick über die Themen zu verschaffen. Diese kreative Zeit wird durchtrieben von Prozessen, die durchaus zukunftsrelevant sind. Die Studenten sind dieser allerdings beraubt worden, Inhalte des Studiums wurden komprimiert, verwandte Veranstaltungen wurden schlicht kurzum zusammengelegt um Zeit zu sparen. Auch hier zu Lasten der Qualität. Als Grund für die schnellere Durchlaufzeit wird erörtert, dass Studenten nicht mehr so viel Zeit an den Hochschulen verbringen sollen und stattdessen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Aber warum? Was gut werden soll, braucht halt seine Zeit.

Im Zuge des Bologna-Prozesses soll zudem das Studiensystem europaweit angepasst werden, um den Studenten die Möglichkeit eines Auslandaufenthalts zu ermöglichen. Soweit so gut. Doch was nutzt der beste Plan, wenn die Realität einen anderen Weg geht. Der deutsche Bachlor wird in den meisten Fällen nicht anerkannt, die Umsetzung des Plans ist weitestgehend missraten. Das ursprüngliche Vorhaben, mit dem Bachlor eine Art Grundstudium zu realisieren um im nachfolgenden Masterstudiengang einen Schwerpunkt gezielt zu setzen und vermitteln, findet leider bisher nur auf dem Papier statt. Ein Großteil der Betroffenen weiß nicht mit den Verwirrung stiftenden Titeln umzugehen und so wird schlicht das traditionsreiche Diplom durch den Bachlor ersetzt. Ist halt einfach. Die beiläufige Erklärung, dass der Bachlor eine Basis für den wirtschaftlichen Einstieg bietet, erscheint für die industriellen Studiengänge logisch, doch findet die gleiche Aussage bei Geisteswissenschaftlern wenig Zustimmung. Interesse sowieso nicht.

Der Weg, mehr Geld in Bildung zu investieren ist mit Sicherheit der richtige. Allerdings gibt es bis zum Ziel, eine bessere Bildungspolitik zu etablieren, viele andere Sachen, die man mit Geld zwar nicht bezahlen kann, die aber von der Wichtigkeit in nichts nachstehen.

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