[gurkenwasser]

Hape Kerkeling hält uns den Spiegel vor

Posted in Kognition, Politik by gurkenwasser on 24. August 2009

in seiner Dokumentation »Horst Schlämmer. Isch kandidiere.« bringt Hape Kerkeling die breite Seite unverblümte Gesellschaft auf die Mattscheibe. Thematisiert werden soll im Grunde der Weg eine Partei ins Leben zu rufen. Horst Schlämmer bietet neben zahlreichen Politikern auch einer Menge B-Side-Prominenten die Möglichkeit nochmal auf medialer Bühne Luft zu schnuppern. Die Nebenrollen sind mit Simon Gosejohann und Alexandra Kamp an zwei Akteure gegangen, die nicht besser hätten dafür gemacht sein können.

Während die freien Demokraten fleißig an ihrem medienvisuellen Auftritt bei youtube und wordpress schrauben, in Apples-App-Store die Sozialdemokraten kräftig mit eigenem Programm fürs iPhone aufschlagen und die Christdemokraten ungetrübte Verschwiegenheit proben um jeden nur erdenklichen Fehlschritt zu vermeiden, glühen bei den Umfrageinstituten die Telefonleitungen um festzustellen, dass Schlämmers Partei, (hier könnte man sogar das »s« apostrophieren) hätte wäre wenn 18% Zustimmung im Volk erreichen können würde. Und kaum brennt die Fackel des geschmacklosen Populismus, springt die unter dem Deckmantel der politischen Diskussion wöchentlich angekündigte Talkrunde um Anne Will auch noch in die Bresche und kündigt mit dem Titel »„Wahlkrampf statt Wahlkampf – Womit haben wir das verdient? Deutschland hat einen neuen Polit-Star: Horst Schlämmer.“« das zu erwartende Niveau der Sendung an. Angeschnitten wir die messerscharfe Diskussion natürlich mit ebengleichem Thema, dicht gefolgt von der tiefsinnigen Frage was die Politik, die Parteien falsch machten, wieso die Wähler davon laufen.

Dabei kann man Kerkelings Werk – freilich aus einer anderen Perspektive – betrachtend, auch gegenteilig interpretieren. Dem Laien (mir inbegriffen) als klassischer Film bekannt, mit Schauspielern, Komparsen und Kulisse präsentiert, schlägt im Wandel der Zeit zu einem Reality-TV-Format um. Schauspieler, die einen Charakter verkörpern und sich der Rolle annehmen werden rar, verlagern sich auf die Bühnen des Theaters. Menschen wie Du und ich nehmen die Hauptrolle ein und zeigen echauffierend je nach Ausprägung des Selbstwertgefühls demonstrativ das Ergebnis jahrelanger Erziehung. Oder auch nicht. Frei nach Sokrates: Ich weiß, dass ich nichts weiß fühlt man sich bestimmt feige nicht wenigstens auch noch den letzten Weg zu Brot und Zucker, den des seelischen Striptease ausprobiert zu haben.

Die zweite Fliege schlägt Hape Kerkeling indem er nicht nur das Bild der Gesellschaft spiegelt, sondern zudem das der politischen Klasse. Ob Rüttgers, Fricke, Roth oder Özdemir, jeder hat sich eine Rolle im Streifen verdient. Eigentlich wollten sie nur realitätsnah am Menschen auftreten, dabei schwimmen auch sie mit dem Strom. Der Politiker als Filmstar. Die Schülerin als Popstar. Der Film lehrt, dass es manchen gelingt, bei manchen hapert es noch an der authentischen Gabe vor der Kamera zu spielen. Mir ist übrigens vor einiger Zeit schon bei tv liberal aufgefallen, dass Herrn Fricke die Kunst des Schauspielens misslingt.

Zusammenfassen könnte man den Inhalt des Films in zwei Sätzen. Horst Schlämmer verkörpert einen Journalisten, der mit der aktuellen politischen Lage nicht zufrieden ist, gründet mit dem Ziel Bundeskanzler zu werden eine Partei und zieht in den Wahlkampf. Es dauert ungefähr anderthalb Stunden. Hasenpower.

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