[gurkenwasser]

Parteienpolitik

Posted in Kognition, Politik by gurkenwasser on 26. August 2009

wäre es keine Zeit der starken Persönlichkeiten gewesen, die sich in der Zeit in politischen Talk-Shows und Zeitungsinterviews zu Wort gemeldet hätten, in der ich anfing ebendiese zu sehen, würde ich die aktuelle Situation womöglich für üblich und den Normalfall halten. Hätte, wäre, wenn. Dennoch ist es zu bedauern, dass sich in den Sprechrunden um Anne Will und Frank Plasberg vermehrt politische Akteure einfinden, die nicht nur sich selbst für jeden Spaß zu teuer sind, nein, selbst der Zuschauer wir derart hinters Licht geführt, indem er keine Antworten auf seine Fragen bekommt, sondern schlicht mit billigen Phrasen und Wahlkampfgetöse abgespeist wird. Die immer mehr in Mode kommenden Einspieler retten den Informationsgehalt und leiten zum Teil die Diskussion in neue Themengebiete ein, Zuschauers Meinung wird publiziert und bei Anne Will werden Bürger befragt, die den rhetorischen Nährboden der Medienlandschaft vermutlich das erste Mal betreten. Abgesehen davon, dass das wahrscheinlich die Minderheit interessiert, wird der schon knappe Redeanteil der Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur weiter minimiert.

Doch selbst während der begrenzten Redezeit fällt den Gästen nichts anderes ein, als über die Fehltritte der politischen Gegenüber zu referieren. Ist das, was der politisch interessierte Zuschauer sehen will? Stillt das seine Erwartungen? Aber, es passt ins Format. Wer bei popstars und all den anderen überlaufenen Castingshows seinen Unterhaltungsdurst stillt, wird auch hier nicht wegzappen. Grundsätzlich das Gleiche, nur das offerierte Niveau ist ein anderes. Auch in einem anderen Punkt spiegelt das Verhalten auf öffentlicher Bühne, speziell was die Auftritte in Interviews und Talkshows angeht, die Gesellschaft wieder. Denn wie meine Wahrnehmung es mir vermittelt, geht es auch in der Schule, in der Lehre und im Studium nicht mehr so ganz 100%ig um Inhalte. Auch hier zählt nur das Ziel. Weshalb sollte sich also die regierende Charakterkaste anders verhalten? Die wenigsten Wähler werden die Wahlprogramme lesen oder sich mit deren Inhalten auseinandersetzen. Da kann nur erfolgreich sein, wer am klarsten das Ziel definiert und das am besten so laut es die Stimme erlaubt. In Diskussionen hört man – mit Ausnahme der Linkspartei – immer nur das Gleiche, die große Einigkeit. Ein Konsens ist in der deutschen Parteienlandschaft getroffen worden. So scheint es zumindest. Bei hart aber fair geht es auch nicht mehr dadrum eine gesunde und geistreiche Diskussion zu führen, sondern um den vom Moderator zugeteilten Redezeitraum so effektiv wie möglich mit Parteientiraden zu füllen. Wer sich benachteiligt fühlt, mahnt an.

Was mir außerdem zu überlegen gab, war ein Beitrag von Otto Fricke, FDP. Er schrieb über die Nutzung des Dienstwagens auf Urlaubsreisen. Ulla Schmidt. Er mahnte an, dass er sich für die Interessen der Bürger einsetze und nachfrage, ob denn auch alles gerecht zuginge. Was er nicht erwähnte, war, dass sein Vorgehen von seiner Partei derart aufgeplustert wurde, dass der Gedanke nahe liegt, die FDP nutze die Gelegenheit für ihren Wahlkampf. So tief der in dieser Sache auf die Tagesordnung berufene Haushaltsausschuss auch ging, er fand nichts zu beanstanden. Wer die Kosten für die Einberufung des – mit Verlaub – schwachsinnigen Ausschusses trägt, verschweigt die FDP allerdings ihren Wählern.

Wie soll man denn unter diesen Umständen eine Wahlentscheidung treffen? Ich habe schlicht keine Zeit (und auch keine Lust) mir ein Wahlprogramm von 220 Seiten einer einzigen Partei durchzulesen. Im öffentlichen Auftreten haben alle die gleiche Antwort auf dieselben Fragen. Halt nur anders vertont.

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