[gurkenwasser]

Die Wahl

Posted in Kognition, Politik by gurkenwasser on 14. September 2009

das TV-Kuscheln der Spitzenkandidaten der Union und der SPD ist überstanden, der Sprint in die letzten beiden Wochen vor der Wahl gestartet. Während sich mancher Wähler noch immer fragt wann denn der Wahlkampf nun endlich losgeht, wird in der Hauptstadt schon fleißig und süffisant an möglichen Koalitionen nach dem Wahltag geschraubt. In der an das TV-Duell anschließenden Analyse im Rahmen der Talkshow Anne Will wird auch dem Theaterkünstler eine Bühne geboten, das Gefasel aus seiner Peripherie zu beurteilen. Wem’s nützt.

Im dargebotenen Auftreten der Akteure und deren Parteien fällt auf, dass auch inauthentisch wirkende Medienauftritte gewünscht sind. Da werden aus Politkern auch mal Schauspieler, Journalisten oder Grillmeister. Einige finden Gefallen sich in Kinofilmen zu präsentieren – ob es gelingt steht auf einem anderen Blatt – andere nehmen durch das führen eines Blogs Journalisten die Recherchearbeit ab und ziehen getrost über die Missgeschicke anderer Parteien und deren im öffentlichen Licht stehenden Mitgliedern her. Kurz vor der Wahl darf man dann auch mal eine Wurst vom Parteiengrill essen, während der Nachwuchs auf der Hüpfburg rumtollt seine Runden dreht. Alles schön. Doch während die Altgediegenen sich über Politikverdrossenheit die Mäuler zerreißen ist vielleicht genau dieser Auftritt der Parteispitzen in Zeiten des Wahlkampfs eine Ursache. Gewinnen, zur Not auch ohne Inhalt. In den Wirtschaftsprozess soll eingegriffen werden, damit Manager und Entscheidungsträger zukünftig nachhaltiger entscheiden. Boni, Millionengehälter und Abfindungen begrenzt, beschnitten oder abgeschafft werden. Wer fragt bei inhaltlosen Wahlkämpfen nach? Immerhin bekommt der Wähler doch vorgeführt worauf es ankommt. Die beste Inszenierung. Gewinnen. Zur Not auch durch Schauspiel. Nachhaltig ist anders.

Wenn zum Schluss dann die Wahl ansteht, wird entschieden, wer gewonnen hat, wem das Vertrauen entgegengebracht wird, die Republik zu regieren. Aber auch, wer am eindrucksvollsten Wahlkampf gemacht gestaltet hat. Bei Deutschland sucht den Superstar wird zum Schluss auch gewählt. Vom gleichen Publikum übrigens. Mich durchtreibt nicht die Frage, weshalb der Kanzler nicht auch in einer Casting-Show herausgesiebt wird, sondern die Intention der politischen Meute, sich in Wahlkampfzeiten ständig verkleiden zu wollen oder in Rollen zu schlüpfen, die ihnen nicht passen. Es gibt also zwei Möglichkeiten. Entweder es gibt zukünftig eine Wahlkampfjury aus Dieter Bohlen, Detlef D! Soost und Nina Hagen oder die Politik konzentriert sich wieder mehr auf Inhalte. Denn wenn ich eine Inszenierung sehen will, gehe ich ins Theater. Ein Politiker ist ein Politiker. Ein Schauspieler ist ein Schauspieler. Und an jeden werden verschiedene Erwartungen gestellt.

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