[gurkenwasser]

Arbeit muss sich wieder lohnen

Posted in Kognition, Politik by gurkenwasser on 25. September 2009

»Wer arbeitet, soll mehr in der Tasche haben, als jemand der nicht arbeitet.«

So – oder so ähnlich – föhnt einem die lauwarme Luft immer und immer wieder entgegen, wenn man sich Wahlkampfveranstaltungen der FDP anschaut. Dabei frage ich mich, wer sagt eigentlich was Arbeit ist? Aber viel mehr noch: wie soll das funktionieren? Die erste Frage lässt sich vielleicht nicht klar beantworten, aber in vielerlei Hinsicht interpretieren. Der Logik nach, müsste somit zum Beispiel jede Mutter den Anspruch auf ein Gehalt haben, da die Kindererziehung – so ist es mir zu Ohren gekommen – sehr harte Arbeit sei. Jedenfalls stößt man bei diesem Gedanken schnell auf den Stein der Erkenntnis, dass scheinbar für einen Teil der Gesellschaft nur das Arbeit ist, was auch entlohnt wird. Und es eignet sich natürlich ganz hervorragend als Parole. Kurz, einprägend und schön oberflächlich.

Zur zweiten Frage, wie es funktionieren soll, dass Arbeit sich wieder lohnt. Es muss sich also wieder lohnen. Da steckt die Erklärung schon im Wort. Lohn. Demnach lohnt sich Arbeit erst dann wieder, wenn man das friedfertige Gefühl einer gerechten und fairen Entlohnung trägt. Allerdings scheint der Verfasser dieser Parole nicht bedacht zu haben, dass wir in einer Neidgesellschaft (man benenne sie nach Belieben) leben und das Bedürfnis nach fairer Ausgeglichenheit sich extrem an dem orientiert, was der Gegenüber in seinen Machtbereich trägt. Konkret könnte man es im Autoland auch so ausmalen. Der eigenen BMW ist nur so lange eine tolle Sache, bis der Nachbar den Nachfolger auf dem Hof stehen hat. In jenem Moment, in dem der Nachbar mit dem besseren, größeren und prestigeträchtigerem Auto auf dem Hof auffährt, werden die Augen mindestens groß, analog zum aufkeimenden Neid, selbstverständlich. Die Zufriedenheit wird sich auch erst dann wieder einstellen, wenn der Neidische mindestens den gleichen, aber besser einen noch größeren Wagen fährt. Wohin das führt, darf sich jeder selbst ausmalen.

Wer sich also die Bedürfnisbefriedigung der arbeitenden Gesellschaft auf die Flagge schreibt und nur mit monetären Motivatoren argumentiert, wird ein böses Erwachen erleben. Entweder weil man mit dem Verbrennen des Geldes nicht mehr hinterherkommt oder weil den Akteuren die Ohren vom lauten Schreinen nach »mehr Geld, mehr Geld, ich brauch‘ mehr Geld in meiner Tasche« der nimmersatten Mäuler abfallen. Oh Wahlkampf, du inhaltslose Missgeburt.

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