[gurkenwasser]

Wer hat noch nicht, wer will nochmal

Posted in Gesellschaft, Kognition, Politik, Wirtschaft by gurkenwasser on 11. November 2009

IMG_1813Erst Pleite, dann doch nicht. Erst Insolvenz, dann Verhandlungsführer. Erst Russland, dann Amerika.

Was den Bürger nicht zum Kauf anregt, gebührt des Steuerzahlers Leistung. Noch vor wenigen Tagen schien die Entscheidung klar, der Vertrag so gut wie in trockenen Tüchern. Die große Mutter aus Übersee nur noch den Vertrag zu unterschreiben. Doch die Mutter überraschte zickig und entschied die kleine Tochter Opel wieder unter ihre Fittiche zu nehmen. Vor der Insolvenz noch abgenabelt, verschweißt nach der Abwicklung der Konzern wieder, was angeblich zusammen gehört.

Ohne die Frage nach den Ursachen des Absatzschwundes zu stellen, avanciert Opel zum Kern des Taus, an dessen einem Ende GM und am anderen die Vertreter der Politik zerren. Thema der Debatte der Abbau der Arbeitsplätze. Staatsgarantie. Werksschließung. Noch vor kurzem lag in der Mitte einer Diskussionsrunde der Lissabonvertrag, der Reformvertrag der Europäischen Union, in dem die Mitgliedsstaaten die Grundlage für ein rechtlich geschlossenes Europa vereinbaren. Nach außen wird folglich das Zeichen der Verbundenheit und der Geschlossenheit gesendet. Im Inneren wird währenddessen vorgeführt, dass Europa in den Köpfen der Nationalpolitiker noch nicht angekommen ist. Denn wichtig scheint, vor allem, in welchem Staat der Großteil Stellen abgebaut wird.

Wenn es der Bürger schon nicht freiwillig kauft, lastet es dem Steuerzahler auf der Schulter. Da die Attraktivität eines Opels nicht ausreichte, die Produktpalette vielleicht auch nicht das hergab und noch immer nicht hergibt was der – mehr oder weniger – zahlende Käufer visiert, sank der Marktanteil von Opel in der letzten Zeit. Das ist ein übliches Verhalten, so funktioniert die Marktwirtschaft. Das hat neben der Folge, dass ein Versagen möglich ist auch den Nebeneffekt, dass Unternehmen ständig in der Pflicht sind einen gewissen Teil ihres Umsatzes in die Erforschung und die Entwicklung neuer Technologien zu investieren. Das ist ihr Potential. Nutzen sie es nicht, müssen sie mit den Folgen leben. Eigentlich.

Die Regierung hat die Unterstützung des Unternehmens auch damit begründet, dass neben Opel auch noch eine große Anzahl kleinerer Zulieferbetriebe betroffen ist und sogartig mitgezogen würde. Wer also gehandelt hat wie ein Subunternehmer und alles auf ein Pferd, in dem Fall Opel, gesetzt hat, darf sich also auch als Gewinner staatlicher Unterstützung fühlen. Rechnet man diese Arbeitsplätze – Opel und Zulieferer – zusammen erhält man die Summe Menschen, die im künstlich am Leben erhaltenen Arbeitsmarkt beschäftigt sind. Die Summe Menschen, denen vorgegaukelt wird, ihr Schaffen und ihr Tun werde gebraucht.

Den ersten Lichtblick hätte man erahnen können, als der Beschluss »mehr für Bildung« in den Köpfen angekommen ist. Der zweite wird sein, dass neue Schulgebäude und restaurierte Universitäten kein Wissen vermitteln können.

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