[gurkenwasser]

Es geht weiter…

Posted in Freiraum by gurkenwasser on 18. Februar 2010

..auf blog.cleev.de

zu den Gründen schreib ich vielleicht irgendwann auch mal was.

Gesundheit

Posted in Freiraum, Gesellschaft by gurkenwasser on 6. Dezember 2009

Kein Wunder. Wer zwischen Herbst und der Weihnachtszeit nicht kränkelt, mit dem kann doch was nicht stimmen. Da gibt es die einen Menschen, die sich jedes Niesens zu schade sind und diejenigen, die förmlich nach Mitleid gieren. Spezies No.1 versucht den Virus noch in seiner Quelle zu ersticken und versagt  ihm schlicht das Austreten durch Zuhalten der Nasenöffnung. Sieht nicht nur lustig aus, klingt auch so. Das Gegenteil von Spezies No.1, in persona in der nächsten Umgebung, durchbricht hingegen alle gängigen Definitionen von Lautstärke. Noch vor kurzem durfte ich Zeuge eines gänzlich von Herzen kommenden Anfalls werden. Ein Anfall in zwei Akten. Der Erste als Warnung, der Zweite die Kür der Perfektion. Türenblätter zitterten, die Saftgläser im Schrank rempelten sich an. Stille. In einem kurzen Moment der Bedachtheit den Medizinmann herbei zu holen wartete ich auf ein Lebenszeichen. Als sie beim Verlassen der Wohnung die Tür notorisch kräftig ins Schloss zog wusste ich: Es ist alles in Ordnung.

Die aufregende Freundlichkeit

Posted in Freiraum, Gesellschaft by gurkenwasser on 3. Dezember 2009

Da kam die Frau nun vollbepackt mit tollen Sachen die Tür hinein. Noch auf der Türschwelle grüßte sie den Nachbarsjungen von obendrüber im vorbeigehen freundlich mit »Hallo, wie geht es Dir?«.

Der Junge reagierte zuerst nicht und hob seinen Kopf nur zäh aus der betrübenden Bodenbeobachtungspose als er die Frau  wahrnahm. Aus der halben Drehung lächelte er zufrieden und brüllte ein lautes »Guten Tag Frau Schmidtheiner« hinaus. Die Frau erschrak und zuckte zusammen und erst als sie von hinten seine Silhouette betrachtete, bemerkte sie die Kabel, die aus seinen Ohren kamen.

Eine kurze Bertrachtung der allgemeinen Situation. Oder: Herbst.

Posted in Freiraum by gurkenwasser on 26. November 2009

Die Sonne geht jetzt später auf, dafür aber auch früher unter. Die Menschen auf der Straße haben jetzt Wollmützen auf ihren Köpfen und schnaufen sichtbar durch die bunten Blätter, die von den Bäumen gefallen sind. Im Café ist es dafür ab sofort umso wärmer. Kaum auszuhalten, wenn man aus der semifrostigen Natur mit den Handschuhen und den roten Bäckchen einkehrt. Nur gut, dass wir uns vorher mit Hilfe der Zwiebelmethode angezogen haben und uns nach der Ankunft befreiend schälen und den warmen Wams in die Ecke der alten Holzbank legen können.

Wie üblich tippen wir, uns in einer gemütlichen Sitzhaltung befindend, auf dem Glas des Smartphones herum den neuen Stand unserer Uni oder der brennenden Uni zu erkundigen. Als für vor drei Jahren frisch Immatrikulierte immerhin die gefühlte Pflicht sich zu informieren und den kämpfenden anwesenden Kommilitonen geistige Solidarität zu bekunden. Die lassen sich währenddessen aus dem seit längerem besetzten Hörsaal scheuchen. Scheuchen oder freundlich Bitten. Immerhin ist eine Eskalation von keiner Seite erwünscht. Weder die Regierung, noch die ausführende Gewalt in Form der Polizei, noch die demonstrierenden Studenten vertreten einen anderen, als den friedlichen Weg des Aufstands. Plakativ wird die schlechte Bildungssituation bestreikt und die Empfänger des Symbols stellen sich, Urheber der Situation, fein sauber eingereiht an die Schulter der Demonstrierenden. Mehr Geld soll fließen. Das Problem ist bekämpft, denn es herrscht wieder Ruhe im Staate. Denn ebenso fein wie an die Schulter gestellt, haben die Entscheider die aufbegehrende Meute um den Finger gewickelt. Mehr Geld soll fließen. Das klingt gut, nicht nur in den Ohren der Beteiligten. Auch die Medien haben fleißig Material zum senden und berichten um auch allen nicht Betroffenen das Signal in den Kopf zu setzen: Für die Bildung, da wird was getan. Das ist immerhin unser Kapital, unsere Zukunft.

Wer jedoch große Erwartungen hatte, Erwartungen, dass sich tatsächlich was bewegt im eingefahrenen starren Gefüge, der wurde enttäuscht. Mehr Geld soll fließen klingt nämlich nur auf den ersten Metern nach spirit. Wie man beobachten darf – und das ist eine subjektive Meinung, die sich in ihrer Art selbst nicht übertreffen könnte – fließt das Geld vornehmlich in die Finanzierung der maroden Gebäude. Die örtliche Bibliothek leckt nicht nur in ihrem Bestand, sondern auch an den Öffnungszeiten, die in der nahen Vergangenheit sogar verkürzt wurden.

Auf der Straße war wohl einiges los, die Reaktion war auch prompt. Nur das Ergebnis ist unbefriedigend. An der eigentlichen, moralischen Unkultur, dem Marionettendasein der Studenten Hochschüler ist mit Geld in erster Linie nichts zu ändern. Lebenszeit kann man ebenso wenig erwerben wie den Tag durch künstliche Methoden verlängern. Das eigentlichen Kapital, die Fähigkeit nachzudenken und ein Problem zu verstehen kann man nur durch Zeit, durch viel Zeit kreieren und ausbilden. Das Modell, eine Hochschule – wie einst Till Eulenspiegel – wörtlich als die Fortsetzung der weiterbildenden Schule zu verstehen, deren Ziel es ist das Klassenziel zu erreichen, ist konträr zum Ziel neugierige und wissensdurstig motivierte Menschen zu fördern. Das Gehirn kann nur durch eins trainiert werden: durch die Benutzung. Im Verfahren des Lernens auf Ziel, des Lernens für das Bestehen einer Klausur wird dieser Prozess jedoch nicht gefordert. Die Fähigkeit Probleme zu lösen, komplexe Probleme für die keine Musterlösung in keinem Lehrbuch existent sind, die geht in diesem Sinne verloren. Als Nebeneffekt wirkt die dadurch entstehende Demotivation und die Angst zu versagen hervorgerufen. Erzeugt wird also ein Mensch, dem das Denken fremd wird. Der nicht mehr in der Lage ist eigenständig Entscheidungen zu treffen und diese nachhaltig zu vertreten.

Dem Lautesten schenken wir Gehör und dem Stärksten unseren Respekt. So ist es nicht verwunderlich dass wir auf den Glasbildschirmen der Smartphones Meldungen lesen von »einem 600-köpfigen Aufgebot der Polizei um ein von 35 Personen besetztes Haus zu räumen.« Oder das respektierende Zuhören und anschließende Besinnen, das auf die Reaktion der Regierung auf den Bildungsstreik zu beobachten war.

Wir sitzen einfach nur da, trinken unseren Latte Macchiato und wärmen uns die Hände beim Umklammern des Glases. Betroffenheit, wieso? Ich hab nix gemacht.

Georg Schramm

Posted in Freiraum, Politik by gurkenwasser on 14. Oktober 2009

Georg Schramm als nörgelnder alter Renter Lothar Dombrowski beim Scheibenwischer 2003. Leider gibt es den Scheibenwischer als solchen nicht mehr. Die aktuell an dieser Stelle praktizierte Leichtkost Satire Gipfel wendet sich – in meinen Augen – immer mehr vom politischen Kabarett ab und hätte auch Zwerch trifft Fell 2 oder Comedy Gipfel heißen können.

Ps. Obwohl ich hier nie Videos verlinken wollte, komme ich hier einfach nicht drumherum.

München

Posted in Freiraum by gurkenwasser on 13. Oktober 2009

hEs war nicht gelogen, alle Vorurteile wurden bestätigt. München ist eine tolle Stadt.

Die Reise hat einige Zeit, Mühe und Schmerzen gekostet. Mit der gewöhnlichen Verspätung der kleinen roten S-Bahn geht es also auf den Weg zur großen weißen schnellen Eisenbahn, dem ICE. Der volle Bahnsteig und die Menschentraube, die sich beim Öffnen der Türen vor jedem Eingang bildete zeigt, was die Bahn mit ihrer Ankündigung meinte: Es wird voll, reservieren sie sich einen Sitzplatz. Zu allem Frust rebellierte die Technik und die Fahrt startete mit einem Zugabteil weniger. Bei gleicher Anzahl Menschen konnte also beruhigt die Abteilheizung abgedreht werden. Menschen stapelten sich, nahmen auf dem Boden Platz und fabrizierten ganzheitlich, an eine Laola-Welle erinnernde, Stand-ups bei jedem Durchstolpernden auf dem Weg zum Hygienecenter. Im Schiefstand memorierte ich: Weiss’e Bescheid. Rückfahrt wird besser.

Am Münchner Hauptbahnhof angekommen und alle Knochen sortiert, also auf den Weg durch das dunkle München. Erster Eindruck: Frankfurt, nur irgendwie sauberer. Die Meinung änderte sich jedoch umgehend nach dem Aussteigen am Marienplatz und den vor einem Schaufenster musizierenden Musikanten. Wo man überall Geige, Akkordeon oder Mundharmonika vermutet, spielen in Münchens Innenstadt orchestrale Combos aus aufgestelltem Flügel, Violine, Kontrabass und dem anderen notwendigen Handwerkszeug. Wo im Normalfall eine Mütze mit dreckigem Geld liegt, steht hier ein Tisch mit Decke und zum Kauf angebotenen CDs der Kapelle. Die Menschen bleiben stehen, lauschen, klatschen freudig und spenden lachend für das Dargebotene. Der Platz auch ansonsten mit kleinen friedlich wirkenden Inseln aus Menschen vollgestellt. Die Stimmung ist gut.

Auch während des Streifzuges am hellen Tag trügt der Schein nicht, dass ein gewisses Wohlgefühl über der Stadt liegt. Aber das erwähnte ich bereits an anderer Stelle. Im Englischen Garten tummeln sich Lauffreudige ebenso wie Hunde mit Menschen und andächtig einladende Parkbänke in den harmonischsten Ecken. Sogar der Biergarten im Herzen ist nicht nur zu Fuß erreichbar, sondern sorgt auch mit einer Bushaltestelle für eine trockene Rückkehr im Regenfall. Historische Sehenswürdigkeiten bedienen die Augäpfel ebenso wie der im Olympiapark stehende Olympiaturm, von dem aus man in 260 Meter Höhe einen fantastischen Blick über die Stadt hat. Ohne Wolken- und Regenfilter vor der Sonne soll man sogar die Berge sehen können.

Drei Fußmärsche und ein erfolgreiches Fußballspiel weiter, wir befinden uns in einem Gasthof und ich darf erfahren wie es sich anfühlt nicht die bayrischen Biergepflogenheiten zu kennen. Dass zwischen einem Hefeweizen und einem Hefe ein Unterschied von mindestens hell bis dunkel liegt, dadrauf bin ich erst nach der freundlich aufklärenden Beratung der Bedienung gekommen.

Neben richtungswechselnden Rolltreppen und ultramodernen U-Bahnen bleibt aber festzuhalten: München ist eine Großstadt, wie jede andere auch. Aber es wird bestimmt nicht mein letzter Besuch gewesen sein.

Politik oder Macht und Geld

Posted in Freiraum, Kognition, Politik by gurkenwasser on 10. Oktober 2009

Da liegt es also, das Jamaika im Saarland. Schwarz, gelb grün. Aber auch in Thüringen: die Sozialdemokraten verhandeln mit der CDU. In beiden Fällen wird als Anlass für diese Marschrichtungen das mangelnde Vertrauen gegenüber der Linkspartei weitergereicht. Die SPD kann besser mit der Union. Große Koalition als einzige Möglichkeit für die SPD an die Regierung zu kommen. Wie man es auch betitelt, fragwürdig ist die Lage allemal. Auf den ersten Blick scheinen, jetzt nach der Bundestagswahl, die Lager wieder deutlich zu sein. Doch wenn man genauer hinschaut, bildet sich da um die Linkspartei eine Mauer, die weniger aus Vorurteilen, mehr aus argumentativen Bausteinen errichtet wird. Naumann schreibt in der aktuellen Ausgabe der ZEIT von einem paradoxen Ringen um Wählerstimmen, was – zugegeben nicht nur – von der Linkspartei an den Tag gelegt wurde. Dennoch ist es ein Wegweiser, der auf die Richtung zeigt, den die Parteienpolitik bereit ist zu gehen um gewählt zu werden, um an der Macht zu bleiben oder an die Macht zu kommen. Mit der Macht ist – das sei angemerkt – das Amt gemeint, das in erster Linie zum Gestalten der zukünftigen Legislaturperiode ausgeübt wird. Aber eben auch, aus Sicht der Akteure – zum Broterwerb.

Scheinbar ist es vorbei mit der Zeit, in der hinter diesen Ämtern ein gewisser Ehrgeiz, eine moralische Verpflichtung steht. Vorbei dir Zeit in der Politik als Ziel zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation angesehen wird, wo hinter Inhalten angesehene Persönlichkeiten stehen. Wer heute in der Parteienlandschaft die jüngeren Mitglieder nach deren Zukunftsperspektive fragt, nach deren Berufswunsch, der darf sich nicht wundern, wenn einem als Antwort »Politiker« entgegen geschmettert wird. Wenn also Naumann schreibt dass die Wähler Angela Merkel – nun ja, einfach netter fanden. Und von der Wirtschaft verstünde sie, die noch nie auf dem freien Markt tätig war, einfach mehr als die Sozialdemokraten, dann darf man sich wundern, denn die erste Frau im Land lebt es uns immerhin vor und zeigt wie es geht. Kompetenz durch Schweigen und Abwarten. Zwischendurch vernimmt man, dass der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, für seinen Geburtstag das Kanzleramt als Partylocation zur Verfügung gestellt bekommt und die Geschichte mit Geldspenden an FDP und CDU (je 200.000 Euro) fein abrundet. Korruptionsvermutung hin, Marionettenvermutung her, aber dass dieses Thema nicht einer tiefergehenden Behandlung unterzogen wurde schmerzt dann doch im Demokratiesystem.

Ob es die geschürten Zukunftsängste vor Altersarmut sind oder die lukrative Anstellung auf Lebenszeit, der „Beruf“, der allem Anschein nach alle Facetten einer Berufung verloren hat, wird zahlreich entlohnt und das wird angestrebt. Opportunisten an die Spitze! Mit Sicherheit auch ein Grund für manche Handlungen und Entscheidungen, denn so ganz unabhängig ist man als Berufspolitiker ohne Erfahrung in außerpolitischen Tätigkeiten nicht.

Kritik unerwünscht oder die Angst vor der Bewertung?

Posted in Freiraum, Kognition, Politik by gurkenwasser on 21. September 2009

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als es Gregor Gysi in der Online-Sendung Erst fragen, dann wählen sagte, wurde mir bewusst, dass er Recht hat. Die Kanzlerkandidaten Steinmeier und Merkel, letztere war bei genannter Sendung nicht zu sehen, sind während des gesamten medialen Wahlkampfs kein einziges Mal direkt mit den Oppositionsparteien konfrontiert worden. Weder im Kollektiv, noch mit einer einzelnen. Die Veranstaltung des ZDF, in der alle Spitzenkandidaten der Parteienlandschaft geladen werden sollten, wurde von Kanzlerin Merkel ebenso abgesagt, wie auch die oben genannte Online-Sendung. Für TV-Auftritte, in denen sie direkt mit Vertretern der anderen Parteien konfrontiert wird, stehe sie – mit Ausnahme des TV-Duells mit Steinmeier – nicht zur Verfügung.

Was die Gründe für ebendieses Verhalten sind, wird offenbar zurückgehalten. Jedenfalls ist so der Kuschelauftritt beim TV-Duell zu erklären. Immerhin wäre es übertrieben von den beiden sich in der Regierung befindlichen Kandidaten zu erwarten, das Wirken in der aktuellen Legislaturperiode kritisch zu beurteilen. Jene Kräfte, die er hätten gekonnt, wurden nicht eingeladen. Anstatt vier Moderatoren einen vorbereiteten Fragenkatalog abarbeiten zu lassen, der alles aber nicht tiefgründig war, wäre ein Auftritt der fünf Fraktionsspitzen mit einem Moderator wesentlich interessanter geworden. Aber das wollte die Union nicht, über die Gründe darf man somit spekulieren.

Heute ein bisschen Sicherheit?

Posted in Freiraum, Kognition, Politik, Wirkungsfeld by gurkenwasser on 22. August 2009

Kamera

vor der Wahl scheint es aktueller den je, die Sicherheit groß zu schreiben. Mit der im grauen Feld scheinbar erstarkenden Piratenpartei erfahren die digital natives zumindest einen Vertreter im Bundeswahlkampf. Spiegel Online schlug nach deren Wahlergebnis und dem Hype der Europawahl mit dem Titel auf Sie werden sich wünschen, wir wären politikverdrossen und thematisierten nochmal Franziska Heines Petition zum Thema Internetsperren. Hier möchte ich ansetzen und überlege inwiefern vor dem Hintergrund der Wahlen im Iran und der allgemeinen Situation in China aktuell überhaupt in der Gesellschaft diese Maßnahme ernsthaft diskutiert werden kann. Selbst der Microblogging-Dienst Twitter hat seine Wartungsarbeiten auf Bitten der amerikanischen Regierung verschoben, um so sich im Iran aufhaltenden Journalisten und Informanten die Möglichkeit der anonymen Kommunikation zu ermöglichen. Unter dem Schild der Medienzensur wurde während den Wahlen Beobachtern aus dem Ausland jegliche Berichterstattung untersagt. Soviel zum Hintergrund.

Mit den sog. Internetsperren soll nach der Meinung Ursula von der Leyens, oder kurz Zensursula, der Anteil der pädophilen Netznutzer reduziert und die Verbreitung von entsprechendem Anschauungsmaterial unterbunden werden. Was sich im ersten Moment als nützlich erweist, ist aber auf den zweiten Blick lediglich der Gedanke eine juristische Korrektur am Anblick des Webs. Ein operativer Eingriff. Weder der Zugang zu den Websites wird dadurch verhindert, geschweige denn die Verbreitung nachhaltig bekämpft. Um einen Telefonanschluss unerreichbar zu machen, bedarf es schließlich auch mehr, als das bloße Ausreißen einer Seite des Telefonbuchs.

Wenn die Rede ist von einer virtuellen Welt zeichnen sich in meinem Kopf Phrasen zu einem Bild das die Filmemacher nicht schlechter visualisieren könnten. Da sehe ich Menschen in einem Raum, die mit ihren Fingern opto-elektronische Objekte durch den Raum schieben und sich mir dem Jenseits unterhalten. Kurz danach kommt mir dann der Gedanke, dass hier schlicht ein Monster geschaffen wurde, vor dem sich die Gesellschaft fürchten kann. Das Wutobjekt wird also greifbar und thematisiert. Aber ist das WWW die virtuelle Welt nicht vielmehr ein Bestandteil der Realität, ein Werkzeug der Gesellschaft? Und werden die Extreme, die auch in dieser Hinsicht existent sind, nicht vielmehr in den Vordergrund gerückt um eingrenzendes Handeln zu legitimieren? Es gibt bestimmt jene Art von Nutzern, die das Web als ihren Lebensraum verzeichnen und eine Verbindung zur Realität verloren haben. Dennoch haben es die überwiegende Mehrheit der Netznutzer nicht verdient über diesen Kamm geschert zu werden.

Es ist nicht zu verachten und zu denunzieren wenn Menschen innerhalb geschlossener Netzwerke wie Facebook ein Abbild ihres persönlichen Freundeskreises kreieren und überdies hinaus womöglich Freundschaften entstehen lassen. Diesen Menschen unter vorgehaltener Hand zu entgegnen, sie seien realitätsfern, entspricht keiner ernstzunehmenden Grundlage. Analog ist das Verfahren auf die Blogosphäre anwendbar. Diese neue Kultur hat es nicht verdient schon im Anfangsstadium schlechtgeredet zu werden. Potential ist jedenfalls genügend vorhanden.

In der Debatte um das Sperren von Seiten wird immer wieder damit argumentiert, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Kein rechtsfreier Raum. Im Details betrachtet kommt man also immer und immer wieder auf diesen bereits weiter oben erwähnten Grundgedanken der Parallelgesellschaft. Hier das reale Leben mit Natur, Tieren und Rasierapparaten, da die virtuelle Randgesellschaft mit ihren Killerspielen, Blogs und Köstlichkeiten vom liefernden Italiener, die ohne jegliche gesetzliche Grundlage und Verfassung der Anarchie den Rang der Chaosstifter abläuft. Dabei ist der Umgangston doch der gleiche. Prêt-à-porter. In Internetportalen ist das Mobbing, die Diffamierung und das verbreiten gesetzwidrigen Parolen genauso verboten wie in der Fußgängerzone. Der Exhibitionismus ist ebenso untersagt wie das Glorifizieren von Straftaten. Insofern ist es mir schleierhaft, wie der Gedanke aufkommen kann, das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Obwohl, genau betrachtet ist meine Kaffeetasse auch ein rechtsfreier Raum.

Gegen das geltende Recht verstößt in jedem Fall die Aktion Vorratsdatenspeicherung. Jeder Bürger wir hier unter Generalverdacht gestellt teil einer Straftat zu sein. Wer in Drogerien und Supermärkten teil eines Payback-Systems ist, ist sich wahrscheinlich seiner heroischen Rolle in keinster Weise bewusst. Die Operateure der Staatssicherheit hätten sich ein solches System der freiwilligen Datensammlung nur wünschen können. Heute Usus. Womöglich ist es die gleiche Art von Menschen, die damals gegen diese Maßnahmen vorgegeben sind und am lautesten Unrecht schrieen. Jedenfalls ist ein Konsens getroffen, nur noch eine Minderheit scheint es zu stören, dass grundlos Datensammlungen angelegt werden und so jeder, der Zugriff hat, einen umfassenden Einblick in die Privatsphäre des Menschen bekommt. Sicherheit wird ja groß geschrieben. Benjamin Franklin sagte einst Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. Die Vorratsdatenspeicherung ist nur ein Motor im Antrieb der gesellschaftlichen Paranoia. Ein weiterer sind die an öffentlichen Plätzen platzierten Kameras. Bisher konnte mir niemand die Frage beantworten aus welchem Grund da zahlreiche Bänder aufgezeichnet werden. Dennoch erzeugt es bei mir eine gewisse Unruhe, als wolle mir jemand Angst einjagen. Als würde mir jemand mitteilen wollen dass eine Gefahr unmittelbar bevorstünde. Sicherheit kann man niemals garantieren.

Was unter dem Deckmantel der Kinderpornographie diskutiert wird ist das Einrichten von Grundlagen, die eine Zensur gesetzeskonform installieren. Der bayrische Innenminister geht bereits einen Schritt weiter und verlangt das Sperren von rechtsextremen Webseiten. Eine so genannte Zensur. China ist in dieser Angelegenheit bereits einen Schritt weiter und zensiert schon unabhängigen informationserstattenden Medien, sodass die Bürger auch nur die wirklich wichtigen Themen zu fressen bekommen. Nach den Präsidentschaftswahlen im Iran gleiches Spiel mit anderen Akteuren. Journalisten wurde das Berichterstatten verboten, sogar dafür gesorgt, dass es überhaupt nicht erst möglich war indem eine Überwachung installiert wurde. Die von der Regierung beeinflusste Medienlandschaft zeichnete dann das Bild, welches alle sehen sollten. Leider entsprach das nicht der Realität, wie Videos auf der Plattform youtube, (Kurz-)Nachrichten beim Microblogging-Dienst Twitter und Fotos bei Flickr zeigten. Es ist bestimmt ein anderes Ausmaß, aber im Grunde das gleiche Werkzeug. Zensur.

Erst wenn das Bewusstsein wiederkommt, dass mit den Werkzeugen der Vorratsdatenspeicherung, Überwachung von öffentlichen Plätzen und der Internetsperren lediglich eine grundlose Angst erzeugt worden ist, eine Angst die erzeugt worden ist um die Werkzeuge zu legitimieren und zu installieren. Erst wenn das Bewusstsein wiederkommt, dass die Angst unbegründet ist und dass auch die installierten Werkzeuge keine Sicherheit bieten, dass sie in geringem Maße vielleicht erträglich sind, in ihrer Summe aber eine unterbewusste Bedrückung der Freiheit produzieren. Erst dann platzt die Blase. Die Ultima Ratio als Ursprung der scheinbar notwendigen Polemik.

nur kurz zu Besuch

Posted in Freiraum, Kognition, Wirkungsfeld by gurkenwasser on 13. August 2009

FFM

egal wo ich hinsah, überall standen Menschen mit digitalen Camcodern herum und filmten Häuser. Ist da etwa ein Trend an mir vorbeigezogen? In jedem Fall hat es mich verblüfft und sehr fraglich gestimmt. Am Main angekommen, habe ich dann noch einem jungen britischen Paar geholfen sich auf einem Bild im Vordergrund des treibenden Stroms und einer touristisch unbedeutenden Kirche festzuhalten. Gute Tat vollbracht und mich dann wieder auf den Heimweg gemacht. Achtung! Reimemonster.